Die Weltkriege

Die Weltkriege

Die folgende Zeit ist schon erlebte Geschichte, Zeitgeschichte also. Den Ersten Weltkrieg und den Zerfall der Monarchie haben nur noch die Ältesten unter uns erlebt. Viele junge Männer sind nicht mehr heimgekehrt; sie ließen ihr Leben für "Gott, Kaiser und Vaterland". Vom großen, mächtigen Kaiserreich blieb Österreich in seinen jetzigen Grenzen übrig; viele zweifelten an der Lebensfähigkeit dieses Staates und waren verbittert über die Abtrennung Südtirols an Italien.

Bekannt ist der Ausspruch Clemenceaus: "Der Rest ist Österreich", Wie wahr ist die Strophe aus Friedrich Wilhelm Webers "Dreizehnlinden": "Was sie Weltgeschichte nennen, ist ein wüstverworr`ner Knäuel: List und Trug, Gewalt und Schwäche, Feigheit, Dummheit, Wahn und Greuel."

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war geprägt von Not und politischer Unsicherheit. Verschiedene Gruppen und Parteien versuchten mit untauglichen Mitteln diese Mißstände zu beheben, was 1934 zum Bürgerkrieg führte, wovon unsere engere Heimat gottseidank nicht betroffen war. Schließlich sahen viele die Rettung nur noch in einem Anschluß an Deutschland, wo inzwischen Adolf Hitler an die Macht gekommen war und dem deutschen Volk einen beachtlichen Wohlstand bescherte. Viele Österreicher traten der NSDAP bei. Der politische und wirtschaftliche Druck Hitlers auf Österreich wurde immer stärker, und die Weltmächte sahen untätig zu.

              

1938 wurde Österreich ein Bestandteil des Deutschen Reiches, die Ostmark. Es folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung, doch nur wenige ahnten, dass sie bereits für den Krieg arbeiteten. Politische Gegner, Juden und Zigeuner wurden ausgeschaltet. Von den vier in Sitzendorf ansässigen jüdischen Familien konnten sich drei in Sicherheit bringen, während die Familie Singer in einem Konzentrationslager ums Leben kam. Die Brüder Fürnberg kamen nach dem Krieg wieder nach Sitzendorf zurück und betrieben ihr 1938 verlorenes Kaufhaus. Als nun deutsche Staatsbürger erlebten wir den Zweiten Weltkrieg 1939 bis 1945 in all seiner Härte, mit all seinen Greueln, und die nicht weniger grauenhafte Nachkriegszeit. Wieder sind Millionen Männer an den Fronten gefallen - diesmal für "Führer, Volk und Vaterland", und da auch die Heimat Kampfgebiet worden war, auch Frauen und Kinder in den Städten und Dörfern.

Dabei hatte unsere Gemeinde noch Glück im Unglück. In den letzten Wochen des 2. Weltkrieges gab es zwar gerade im Weinviertel erbitterte Kämpfe, dies jedoch besonders um die letzten Erdölfelder des Deutschen Reiches im Raum Zistersdorf/Matzen. Wie erbittert diese Kämpfe waren, möge man daran erkennen, daß es den bereits sehr dezimierten Verteidigern, die darüberhinaus schon unter akutem Treibstoff- und Munitionsmangel litten, am 19.April 1945 im Raum Poysdorf gelang, ohne eigene Verluste 13 russische Panzer abzuschießen. Zweieinhalb Wochen später, nämlich am 7.Mai 1945 erfolgte in Reims die bedingungslose Kapitulation Deutschlands, welche gegenüber der Sowjetarmee, welche in unserem Raum kämpfte, allerdings erst mit 9. Mai um 00.01 Uhr wirksam wurde. Zum Zeitpunkt der Kapitulation verlief die Front östlich von uns, etwa von Stockerau über den Enstbrunner Wald nach Laa/Thaya und die deutschen Einheiten nutzten die Zeit bis zum Wirksamwerden des Waffenstillstandes nur noch dazu, sich vom Angreifer zu lösen und nach Westen abzusetzen, sodaß unser Gemeindegebiet glücklicherweise von direkten Kampfhandlungen verschont geblieben ist.